ADHS und was sonst noch so passiert in der Welt

Viel zu lange habe ich nichts mehr geschrieben, dabei stimmt das nicht, HIER habe ich nichts mehr geschrieben, denn anderswo schreibe ich sehr wohl, meine Tage bestehen sozusagen nur aus Schreiben. Ehrenamtlich, das hat mir viel Freude gemacht. Fertig ist es noch lange nicht, es sieht aber schon wunderbar aus!

Aber jetzt soll es um was anders gehen, nämlich um Saul Steinberg, einem rumänisch-amerikanischen Zeichner. Bekannt wurde er durch seine Cartoons im Magazin „The New Yorker“, dort zeichnete er auch sein wohl berühmtestes Bild, das später ein beliebtes Poster wurde: eine verzerrte Landkarte, die ausgehend von New York einen Teil der Weltkugel zeigt. Diese Idee wurde oft kopiert, mit vielen anderen Städten der Welt.

Mich beeindruckt sein Werdegang, 1914 in Rumänien geboren, begann er in Bukarest ein Studium der Soziologie und Psychologie, zog jedoch bald nach Mailand und studierte schlussendlich Architektur, arbeitete jedoch nie in diesem Beruf. Er floh 1941 vor den Nazis, den Stempel im Pass hatte er selbst gefälscht. Er wollte in die USA, doch sie schickten ihn in die Dominikanische Republik, es gab schon genug Rumänen in Amerika. Er gab seinen Traum nicht auf, schickte Cartoons an die Zeitschrift, für die er sein Leben lang arbeiten sollte, The New Yorker. Und tatsächlich, sie holten ihn nach New York. Im Krieg sollte er in Nordafrika und Italien Cartoons zeichnen, die die Faschisten lächerlich machten.

Eines seiner monumentalen Werke, eine 70 Meter lange Collage aus Wandtableaus mit dem Titel „The Americans“, wurde vor neun Jahren im Museum Ludwig in Köln gezeigt.

Doch am allermeisten spricht mich der Satz an, den er, ich weiß weder wann noch wo, gesagt hat: Gekritzel ist das Grübeln der Hand! DAS ist es, genau das ist es! Bei mir wurde ja, nach langen Wirren, im Erwachsenenalter ADHS diagnostiziert, das ist recht aufwendig und dauert mehrere Tage, aber danach war klar, warum ich z.B. immer kritzele. Warum ich Fernseh gucken kann und mir trotzdem Geschichten dabei ausdenken, warum ich so viel scheinbar gleichzeitig machen kann und warum meine Fantasie nicht aufhört zu brummen. Ich bin nicht in der Lage, eine Handlung zu vollziehen, ohne wenigstens an 1000 andere Dinge dabei zu denken. Ich bin wie ein Unix-System, mein Hirn arbeitet in Zeitscheiben, die sich unaufhörlich drehen und die jede ein anderes Thema hat.

Das hört sich atemlos an, ist es für mich aber nicht. Es gibt Medikamente dagegen, ich habe sie probiert. Sie wirken. Die Zeitscheiben stehen dann still. Das ist wirklich so. Ich habe es selbst erlebt. Ich saß an meinem Schreibtisch und konnte eine Handlung von Anfang bis Ende ohne andere Gedanken zu Ende bringen. Was sich für Menschen ohne ADHS normal anhört, war für mich etwas völlig Neues. Leider, oder zum Glück, denn auf Dauer ist das ein langweiliger Zustand, konnte ich die Medikamente nicht vertragen, die Nebenwirkungen waren zu heftig. Also habe ich sie abgesetzt, die Zeitscheiben fingen erneut an sich zu drehen und mein Leben war wieder, wie es immer war und wie es auch bleiben soll: chaotisch und voller Gedanken und Gekritzel. Ja, meine Hände grübeln. Was für ein wunderschöner Gedanke!

 

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