das Leben und der Tod

Diese Tage sind etwas schwerer, auch wenn ich bald heirate (worauf ich mich so richtig freue) und es mir gut geht, trauere ich um meine Freundin Sue aus Hamburg, die vor einigen Tagen gestorben ist. Wir haben uns vor Jahren im Internet kennengelernt, über unsere Krebs-Blogs, sie war genauso von Brustkrebs betroffen wie ich. Genau erinnern an unsere Anfangszeit kann ich mich nicht mehr, es werden vermutlich wie immer ein paar gegenseitige Kommentare gewesen sein, dann folgten eMails und irgendwann standen wir voreinander und stellten fest, wir verstehen uns gut.

Ich war Witwe und schon lange nicht mehr so richtig in Urlaub gewesen, ich wollte endlich mal wieder ans Meer, was Hajo nie wollte, er schwärmte für die Pfalz, und Sue war durch das Fortschreiten ihrer Krankheit finanziell arg gebeutelt und wollte auch ans Meer, konnte aber nicht. So entstand die typische Win-win-Situation, wir packten unsere Wünsche zusammen und daraus entstand ein wunderbarer Urlaub in Zoutelande. Wir merkten, wie gut wir uns verstehen, wie prima es zwischen uns klappt und so versprach ich ihr, dass ich jedes Jahr mit ihr ans Meer fahre, solange sie lebt. Denn dass sie immer noch lebte, das war, gelinde gesagt, ein Wunder.

So oft wurde ihr gesagt, dass keine Chance mehr bestünde, und jedes Mal ist sie aufrechten Ganges da raus gekommen, oft auch, weil sie den Experten misstraute und sich weitere Hilfe suchte. Sie war eine Kämpferin, aufgeben war nicht ihres, und auch jetzt, als ihr nur noch eine schwere Operation, wenn überhaupt helfen konnte, hat sie gekämpft und schweres ertragen. Sehr schweres. Anfangs war ich mir sicher, sie schafft es auch diesmal, Sue kriegt das hin, doch als es nicht besser, ihr Leid immer größer wurde, sie erneut operiert werden musste, kamen die ersten Zweifel, ob es wirklich möglich ist, dass sie es diesmal nicht schafft.

Sie hat es nicht geschafft. Sue ist tot.

Mein Wandersmann wurde ganz stumm, als uns spät am Abend die Nachricht erreichte, und dann sagte er, es sei doch schier unglaublich, dass sich die Welt einfach so weiterdreht. Sue ist tot und die Welt tut so, als sei nichts. Kein kurzer Erdrutsch, kein leichtes Beben, wenigstens eine kleine Schauer… nichts. Sie dreht und dreht und dreht sich und Sue ist tot.

Das Leben und der Tod, sie gehören zusammen, aber das zu verstehen, nein, so einfach geht das nicht.

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3 Kommentare

  1. Hallo Gabi,

    danke für die lieben Worte zu Sues Tod.

    Ich bin ihr erster Ehemann und habe jetzt lange gebraucht, um mich mit ihrem Tod abzufinden.

    Ich hatte sie, nach der langen Zeit und den vielen Wirren um unsere Scheidung (1984), so um 2009-2010, über eine Schüler-Webseite wiedergefunden.
    Danach hatten wir, leider nur für kurze Zeit, die Möglichkeit viele lustige Anekdoten und Bilder aus unserer gemeinsamen Zeit aufleben zu lassen und zu tauschen.

    Leider wurde ich nur durch Dich Gabi, und nicht durch ihre Familie, über ihren Tod informiert!

    Schade, dass den Eltern so wenig an ihrer Tochter lag!
    Schade auch, dass dem Bruder so wenig an seiner Schwester lag!

    Es gibt immer einen Weg! Sofern man will.

    Hier, in unserer „Heimat“, obwohl der Vater ehemaliger Chefredakteur einer der größten Tageszeitungen im Land war, gab es nicht einmal eine Todesanzeige???

    Das ist Familie?

    Darum auch:
    Gabi, danke für die vielen Stunden des Trostes, der Anteilnahme und einfach des „Daseins“ und des „Zuhörens“

    Ich denke, Sue hat so vielen Menschen Kraft gegeben, aus ausweglosen Situationen geholfen und mit ihrem einzigartigen Fachwissen vor sogenannten „Kunstfehlern“ => Fehldiagnoden bewahrt, daran muss man erinnern!

    Bitte vergesst Sue nicht, sie war ein echter Kumpel und eine Kämferin.

    Dir Gabi und alle den Lesern vielen Dank

    Peter Steiner

  2. Liebe Gabi,

    durch dich habe ich heute erfahren, dass Sue leider verstorben ist. Ich habe ihren Blog bestimmt 10 Jahre verfolgt.
    Diese Frau habe ich sehr bewundert.
    Jetzt hat sie wenigstens keine Schmerzen mehr.
    Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten, für mich war sie auch „unsterblich“.

    Liebe Grüße
    Karin P.

  3. Liebe Gabi Schoek,
    Ich war seit meiner eigenen Brustkrebserkrankung 2010 aufs Sues Blog stille Mitleserin. Ihre Geschichte , ihre Willenskraft und vor allem ihre Stärke hat micht tief beeindruckt. Die Nachricht von ihrem Tod hat mich unsagbar traurig gemacht, für mich war sie bei allem was sie schon durch gemacht hat ,unsterblich. Jetzt ist sie an einem besseren Ort ohne Schmerzen, was ein beruhigendes Gefühl ist.
    Nun bin ich durch Sue hier auf ihrem Blog gelandet und werde hier etwas mitlesen. Der Titel PortGeschichten ist sehr treffend …ich haben meinen Port nach fast 11 Jahren noch , obwohl ich als “ geheilt “ gelte. Ich kann mich nicht trennen….ich habe Angst wenn ich ihn entfernen lassse,dass der Krebs zurück kommt.
    Ich wünsche ihnen trotz der Trauer und den kommischen Zeiten im Moment ein schönes Osterfest.
    Liebe Grüße Anke Siebert.

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