Der Rosenzüchter

Veröffentlicht von

Vor vielen vielen Jahren las ich im Magazin Der Spiegel ein Interview mit einem Naturwissenschaftler, ich glaube zu erinnern, dass er Brite war. Doch weder erinnere ich, welche Wissenschaft er betrieb, noch wie er hieß, ich weiß nur noch, dass er die amerikanische Regierung auf deren Wunsch beraten hatte, es ging darum, ob irgendwas wirklich so war, wie es für weitere Entscheidungen gebraucht wurde. Und ich erinnere, dass er es vehement bestritt und auch beweisen konnte.

Diese Beweise standen jedoch dem politischen Handeln der Regierung der USA entgegen, weshalb sie ignoriert wurden. Daraufhin zog er sich völlig zurück. Reporter des Spiegel machten ihn schließlich ausfindig, er lebte mit seiner Frau in einem Cottage irgendwo auf dem Land und züchtete Rosen. Zudem brauchten sie einige Überredungskünste, um ihn zu diesem Interview zu bewegen. Schließlich willigte er ein.

Er war politisch völlig desillusioniert. Es gehe bei den Entscheidungen der Regierungen immer nur um Geld, um Einfluss, um Öl, um geostrategische Ziele und was es sonst noch für machtpolitische Dinge gibt. Um sonst nichts. Er sei nur engagiert worden, um sich mit ihm, dem Wissenschaftler, schmücken zu können, um so zu tun, als höre man auch kritische Stimmen. Seine Forschungen haben niemals eine Rolle gespielt, das Ergebnis der angeblichen Beratungen habe schon lange vorher festgestanden. Dies sei ihm erst nach und nach klar geworden, er habe dies zunächst nicht wahrhaben wollen, sah dann aber ein, dass selbst der Präsident nicht an einer Änderung der Ziele interessiert war. Sie wollten haben, um was es da ging, ich weiß aber wirklich nicht mehr, was es war. Vermutlich Öl.

Wie auch immer, dieser Mann hat sich komplett aus allem herausgezogen und züchtete nun in seinem Cottage Rosen, das sei sinnvoller, befand er, als Regierungen zu beraten, die nicht beraten werden wollen, als seine Energie zu verpulvern für nichts. Weil schon lange vorher festgestanden habe, was das Ergebnis zu sein hat. Auf Biegen und Brechen. Und egal, wem man damit schadet. Nur dem eigenen Land nicht.

Und genau, weil das so ist, wie es immer war, im Mittelalter ebenso wie heute, genau deshalb sind wir jetzt da, wo wir sind. Genau deshalb schmelzen die Polkappen ab, genau deshalb wird die Grüne Lunge Brasiliens vernichtet, genau deshalb regnet es ohne Unterlass bis ganze Dörfer verschwinden, genau deshalb brennt es in der Gluthitze Griechenlands oder der Türkei, genau deshalb sterben Menschen. Genau deshalb.

Es ging, es geht und es wird immer nur um eins gehen, um den Tanz um das goldene Kalb. Ein Gleichnis, das besagte Kalb ist eine Variable, die man beliebig ersetzen kann. Derzeit sind bei Amazon oder Netflix Serien beliebt, in denen sich Wikinger die Schädel einschlagen, Könige von England mit ihren Armeen durch die Lande ziehen oder was nicht noch alles aus der alten Zeit spannend und kurzweilig verfilmt worden ist.

Und auch in diesen Filmen wird gezeigt, um was es wirklich ging, um Macht. Um Einfluss. Damals gab es noch kein Öl, aber es gab andere Rohstoffe, die benötigt wurden, wo auch immer, wie auch immer, wofür auch immer. Und auch dafür starben Menschen, mitunter wie die Fliegen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich schon vor langer Zeit angefangen, Rosen zu züchten. Nun, eigentlich mehr Wildblümeleins, mein kleines Rosensträuchlein taugt nicht für eine Zucht. Aber ich habe aufgehört zu hoffen. Nein, ich bin nicht verbittert, ich liebe das Leben, ich bin sogar sehr oft sehr glücklich mit meinem Wandersmann. Aber ich glaube nicht mehr, dass sich die fatale Entwicklung bezüglich der Umwelt aufhalten lässt. Wissenschaftler warnen schon seit Jahrzehnten. Sie haben ziemlich genau vorausberechnet, was passieren wird, von dem vieles bereits passiert ist bzw. derzeit passiert. Und? Hat jemand ihre Mahnungen ernst genommen? Freie Fahrt für freie Bürger fällt mir dazu ein, als Synonym dafür, was wir uns alles nicht nehmen lassen, selbst wenn es schadet. Von Qualzucht und Billigfleisch will ich jetzt nicht anfangen, sonst tippe ich mich in Rage. Und der viel zitierte Spruch fällt mir ein, dass man erst dann merkt, dass man Geld nicht essen kann, wenn alles andere vernichtet wurde.

Habt Ihr noch Hoffnung?

0

Ein Kommentar

ich freue mich über Kommentare:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.