der falsche Titel 🎓

der falsche Titel 🎓

Vieles ändert sich in der Welt, was gestern noch allgemeingültig war, ist morgen schon veraltet. Das gilt ebenso für die „normale“ wie für die Beamtenwelt 😉 aber fangen wir von Vorne an. Wenn man Beamte im gehobenen Dienst werden möchte, absolviert man einen dualen Studiengang. Früher nannte sich das (in NRW wurde das Studium 1976 eingeführt, ich habe damit 1977 begonnen) Regierungsinspektorenanwärter:in an der FHS ö.V. – Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Da wird man dann Diplom-Verwaltungswirt:in. Daran hat sich im Grunde nichts geändert, nur dass der Studiengang heute viel moderner klingt: Duales Studium Bachelor of Laws. Und natürlich Englisch, alles Moderne ist irgendwie Englisch 😆 auch bei den Beamtens 😉

der falsche Titel 🎓Ich begann also mein Beamtenleben als Regierungsinspektorenanwärterin. 18 Jahre war ich jung und hatte von nix eine Ahnung. Aber das wusste ich damals noch nicht 😉 ich fühlte mich reichlich erwachsen und überhaupt, Inspektor, was für ein fulminantes Wort! Und wenn man das Studium dann absolviert hatte, dann war man Diplom-Verwaltungswirt:in. Doch als ich 1977 anfing, der erste Jahrgang dieses Studiums war im zweiten Jahr, stand immer noch nicht fest, wie sich das nach der Prüfung nennen sollte. Es wurden Vorschläge gemacht, die Studierenden durften mitdiskutieren, am Schwarzen Brett der FHS ö.V. in Düsseldorf hingen dann die Vorschläge einer Kommission, in der auch Beschäftigte bei der Bundeswehr waren. Und so kam die Bezeichnung „Diplom-Verwaltungswebel“ auf den Tisch, über die alle herzhaft gelacht haben. Und die es zum Glück nicht in die engere Auswahl schaffte. Was aber nicht selbstverständlich ist, im Laufe meines Beamtenlebens habe ich erfahren, was für Verrücktheiten, die fast alle für komplett unsinnig hielten, Einzug in den Beamtenalltag fanden. Zum Beispiel der Verkleinerungserlass des Innenministeriums. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich Euch auch noch erzählen werde 🤣

Zurück zu meinem Beamtenleben. Man einigte sich auf die Bezeichnung Dipolm-Verwaltungswirt:in, damals noch ohne :in, weil weibliche Bezeichnungen fingen überhaupt erst an, gedacht zu werden, geschweige dass sie auf Urkunden gedruckt wurden. Doch das ist auch eine andere Geschichte. Wenn man also dieses Diplom in der Tasche hatte und bei einer Behörde anfing (ich damals beim Regierungspräsidenten Köln, so hieß das, weil Regierungspräsidenten nur Männer waren, es gab noch keine Frauen), dann bekam man den Titel Regierungsinspektor:in z.A. was heißt zur Anstellung. Ich weiß gar nicht, ob das heute noch so ist, damals war es jedenfalls so.

Und damals war es auch so, dass der begehrteste Titel der des Oberamtsrates war. Da war man A13, mithin die höchste Besoldungsstufe des gehobenen Dienstes, und hatte viel zu sagen. Aber das dauerte, je nachdem in welcher Behörde man tätig war, ging man lediglich als Amtsrat oder „nur“ als Amtmann (ja, damals waren auch die Frauen Männer🥳) in Pension, mehr war da nicht drin, weil es keine Stellen gab.

der falsche Titel 🎓Doch bevor das alles für mich wichtig wurde, habe ich den Dienst quittiert. Mir war das zu eng, ich wollte mehr vom Leben. Mein Vater bekam Schnappatmung, das Kind sitzt auf der Straße, muss durchgefüttert werden und kommt auch ansonsten irgendwie um. Straßengraben und schlimmeres. Doch nichts von alledem passierte. Man kann auch als Nichtbeamte wunderbar leben. Per Zufall, wirklich per Zufall wurde ich dann 1986 gefragt, ob ich nicht wieder Beamte werden wollte. Heute weiß ich, was für ein verdammtes Glück das ist, aber ich hatte es, das Glück, ich wurde wieder Beamte. Beim Bundesamt für den Zivildienst, so hieß das damals, heute nennt sich die Behörde Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Dort lernte ich auch die Gleitzeit kennen. Mit so richtigen Stechuhren, die alle drei Minuten umsprangen (warum das so war, weiß ich heute nicht mehr, aber es war so), was dazu führte, dass, wenn die Uhr grade umgesprungen war, einige Kollegen mit dem Pappkärtchen warteten, bis die dritte Minute wieder voll war. Wirklich. So war das damals. Ein besonders starrsinniger Kollege hat mir vorgerechnet, wie viele Minuten er dem Staat „schenkt“, wenn er das nicht macht. Das waren so Momente, wo ich daran zweifelte, ob es wirklich richtig war, wieder im ÖDie anzufangen.

War es, sage ich heute, denn ich habe das Bundesamt Richtung Regierungspräsident verlassen, wieder einmal in Köln, und dort habe ich mit vielen netten Kolleginnen und Kollegen zusammen gearbeitet, der Verkleinerungserlass war Geschichte, es wurde moderner und in mir reifte ein Plan. Im Bundesamt hatte ich in der EDV-Abteilung gearbeitet und die Computerei kennengelernt. Das interessierte mich. Also bewarb ich mich für die behördeninterne Ausbildung zur Programmiererin, wurde geprüft, es gab nur ca. 30 Stellen bei über 600 Bewerbungen, und wieder hatte ich Glück und wurde genommen.

So landete ich zunächst im Gebietsrechenzentrum Köln, dann im Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann und dann, in meiner Lieblingsbehörde, der Staatskanzlei NRW. Dort hatte ich die nettesten Kolleg:innen, die schönste Arbeit, wirklich, so war das für mich, ich denke noch heute gerne, sehr gerne an meine Arbeit in der Staatskanzlei zurück. Sowohl an die bald 20 Jahre in der IT als auch an die restlichen Jahre bis zur Pensionierung im Ordensbereich. Orden ist cool!

der falsche Titel 🎓In der Staatskanzlei erlangte ich auch das Ziel aller im gehobenen Dienst tätigen Beamten, ich wurde Oberamtsrätin! 21 Jahre ist es heute her, da ernannte mich unser damaliger Ministerpräsident Wolfgang Clement zu dem ehemals begehrtesten Titel. Ja, ehemals, denn den gibt es nicht mehr. Eine Reform kam und der gehobene Dienst wurde mit dem höheren Dienst irgendwie zusammen verpusamatuckelt und fortan war A13 ein so genanntes Verzahnungsamt (wirklich!) und alle hießen Regierungsrat, oder, da es mittlerweile auch ganz offiziell Frauen bei den Beamtens gibt (😉) Regierungsrätin.

So wurde aus mir stolzer Oberamtsrätin eine Regierungsrätin. Was für eine Schmach 🤨 Es fühlte sich falsch an, sollte ich mich wirklich so nennen wie die Berufsanfänger im höheren Dienst? Von wollen konnte keine Rede sein, ich musste diesen „falschen Titel“ tragen und was soll ich sagen, ich gewöhnte mich daran. Am Gehalt änderte sich nichts, eigentlich änderte sich überhaupt nichts, nur dass das Türschild ausgetauscht wurde, aber darauf achtete keiner. Man war ja der oder die, die man immer war. Versöhnt habe ich mich damit nicht, ich habe es hingenommen. Und so kam, was kommen musste: Ich wurde als Regierungsrätin pensioniert 😉

der falsche Titel 🎓

 

Nur noch wenige Tage, dann ist das auch schon wieder zwei Jahre her. Kinder, wie die Zeit vergeht! Treue Dienste 😆 irgendwie ein altmodischer Begriff, aber ich glaube, das alles wird wieder modern, doch auch das ist ein anderes Thema. Heute jedenfalls bin ich begeisterte Ruheständlerin und als was, ist mir schnurzegal, weil es keinen mehr interessiert. Ruhestand ist wie vor der Schule, man darf den ganzen Tag spielen und wird rundum versorgt 😉

Doch eins kann ich Euch verraten, Ruhestand will gelernt sein! Aufhören mit dem Berufsleben, das ist nicht so easy, wie sich das anhört. Man muss von einigem Abschied nehmen. Wie das so ist im Leben… 🎶 …Scheiden tut weh, aber dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht… 🎶 und das gilt auch für den Ruhestand. Aber auch das ist eine andere Geschichte 😉

 

 

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