Corona macht erfinderisch

27 Jahre Staatskanzlei ­čą│

Da war ich 27 Jahre, naja, was nicht ganz stimmt, wir waren einige Jahre im Stadttor, das hat der jetzige Ministerpr├Ąsident aber ganz schnell wieder ge├Ąndert, kaum war er im Amt, und zack! waren wir wieder zur├╝ck, schneller als wir gucken konnten ­čśë Ich liebe ja alte B├╝rogeb├Ąude, ich liebte sie schon immer, was daran liegen muss, dass ich mit 18 Beamte geworden bin und zwar genau hier, in dem Geb├Ąude des Regierungspr├Ąsidenten, wie das damals noch hie├č, Frauen gab es n├Ąmlich noch nicht auf dem Posten.

Da kann man doch gar nicht anders, als alte Geb├Ąude lieben, oder? Ich jedenfalls war da sehr gerne, das hat sowas altehrw├╝rdiges, aber ich mag auch andere Geb├Ąude, die nicht ganz so alt sind, z.B. das alte Wirtschaftsministerium, das Hochhaus sieht man oben auf dem Foto hinter der Staatskanzlei. Eigentlich ziemlich h├Ąsslich, aber innen hatte es den Flair der 60er/70er-Jahre B├╝ros und das mochte ich ebenso gerne. Dort habe ich 1993 angefangen, in der EDV, wie das damals noch hie├č, die war n├Ąmlich „ausgelagert“, weil in der Staatskanzlei kein Platz mehr war.

Tja, und nun ist das alles vorbei, ich bin Pension├Ąrin, ist das zu glauben? Doch alte Verbindungen kappt man nicht so einfach und ich sehe die Kolleginnen und Kollegen noch des ├Âfteren. So auch zum Teamtag, denn wegen Corona gibt es keinen Betriebsausflug in diesem Jahr. Vern├╝nftig, wie ich finde. Doch damit das Kollegiale nicht leiden muss, wurde der Teamtag erfunden, Corona macht erfinderisch! Teamtag hei├čt, die kleinen Arbeitseinheiten k├Ânnen einen Tag etwas sch├Ânes zusammen machen. Wir schipperten ├╝ber den Rhein. Das war sooooooooooo sch├Ân! Und ich hatte gar nicht das Gef├╝hl, dass ich nicht mehr arbeiten gehe, es ist alles noch zu frisch, doch es ist wirklich so, ich habe fertig!

Wir schipperten an den Gehry-Bauten vorbei, genossen den Fahrtwind, denn es war der bislang hei├česte Tag des Jahres mit besorgniserregenden Ozonwerten, gingen danach noch ein Eis essen und dann war der sch├Âne Tag auch schon vorbei.

Seufz… wie schnell ist die Zeit umgegangen, ich wei├č noch genau, wie ich angefangen habe, stolz wie Bolle, wie gerne ich in dem alten Wirtschaftsministerium an der Technik rumgeprusselt habe, das Internet war damals noch im Entstehen, drei Jahre zuvor wurde das Arpa-Net abgeschaltet. Wiki sagt, dass Sch├Ątzungen zufolge 1993 das Internet lediglich ein Prozent der Informationsfl├╝sse der weltweiten Telekommunikationsnetze ausmachte.

Und es war meine Aufgabe, das Internet in der Staatskanzlei einzubauen, sozusagen, denn kein Mensch wusste, was es damit auf sich hat und wozu das ├╝berhaupt gut ist und ob man das wirklich braucht.

Nun, heute geht ohne gar nichts mehr. Niemand w├╝rde diesen Text lesen ohne Internet. Die Welt w├╝rde sich sicherlich einfach weiterdrehen, mit oder ohne, aber mir w├╝rde doch was fehlen.

Ich habe meinen Job wirklich geliebt, sowohl in der EDV als auch, die letzten Jahre, wieder in der „normalen“ Verwaltung. Ich habe ihn geliebt. Ich war Oberamtsr├Ątin a.L. = aus Leidenschaft! Und jetzt bin ich a.D. = au├čer Dienst, vorbei und vor├╝ber. Aber der Teamtag, der war wundersch├Ân!

Es gr├╝├čt die alte Beamtin mit dem jungen Hund ­čśë­čŽ«

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